Donnerstag, 21. Juni 2012

Hintergrundinformationen- Das Parfum

Hintergrundinformationen

Stellt euch vor, ihr seid ein französischer Bürger des dritten Standes im 18ten Jahrhundert. Das heißt also, ihr habt Hunger, die Getreidepreise sind enorm und steigen weiterhin, ihr müsst über Steuern den ersten und zweiten Stand mitfinanzieren, der nicht gerade sparsam lebt und es stinkt in der ganzen Stadt- kurz gesagt es geht euch richtig mies.
So ungefähr lebten 85% der Bevölkerung Frankreichs. Zum Dritten Stand gehörten auch das Kleinbürgertum (kleine Einzelhändler, Handwerker) und die Lohnempfänger (Arbeiter, Dienstboten, Laufburschen). In den großen Städten kam eine große Zahl von Tagelöhnern hinzu.
In den Städten lebten etwa vier Millionen Handwerker, die als Arbeiter in Paris am Tag 18 Sous, das entspricht etwa 90 Cent, verdienten. Sie konnten sich täglich nur 4 Pfund Brot, Miete, Öl, Gemüse und Bekleidung davon finanzieren.
Am 14. Juli 1789 entlud sich die angespannte Stimmung des Volkes, bewaffnet stürmten sie das berühmte Staatsgefängnis, die Bastille.
Doch dies alles war dem Volk noch nicht genug, es hatte Hunger, und so erscholl am 5.Oktober des gleichen Jahres der Ruf auf den Straßen: "Versailles schlemmt, Paris hungert!". Eine bewaffnete Volksmenge marschierte nach Versailles. Der König wurde unter Gebrauch von Gewalt gezwungen, nach Paris zu ziehen und im alten Tuilerienpalast, dem früheren Stadtschloss der Herrscher, zu leben.
Um die Staatsverschuldung zu senken, wurden am 10.Oktober alle Kirchengüter enteignet.
Die Bedeutung der Manufakturen und des Handels nahm mit zunehmender Spezialisierung der Produktion von Waren kontinuierlich zu. Die Investitionen in neue Produktionsmittel steigerte den wirtschaftlichen Ertrag des französischen Bürgertums.
Der durch den wirtschaftlichen Abschwung verursachte Preisanstieg wurde durch die Folge der Missernte von 1788 noch verstärkt.
Dazu kam die große Furcht vor einer gewaltsamen Adelsreaktion. So kam es in einigen Gegenden nach dem 14. Juli zu Bauernunruhen.

Informationen speziell zum Buch

Mit dem fehlenden Eigengeruch der Hauptperson möchte Patrick Süskind vielleicht auf Adelbert von Chamissos Märchenerzählung Peter Schlemihls wundersame Geschichte, in der die Titelfigur seinen Schatten an den Teufel verkauft und dann ebenfalls nicht geachtet, sondern gemieden wird anspielen.

Von Constanze, Patricia, Shari, Anabel

Dienstag, 19. Juni 2012

Das Parfum - Zeitungsartikel



Juni 1765

MÄDCHENMÖRDER  SCHLÄGT WIEDER ZU!

GRASSE: Der gefürchtete Mädchenmörder tötet ein Mädchen im streng bewachten Haus.

Auch in der letzten Nacht war der Unbekannte wieder aktiv. Nach dem Doppelmord und dem Mord an der sardischen Wäscherin ist ihm nun die Tochter eines Tischlers zum Opfer gefallen. Sie wurde am Morgen tot in ihrer Kammer im 5.Stock gefunden. Wie der Täter die Wachhunde täuschen und  unbemerkt in die Kammer gelangen konnte, ist noch unklar. Wie auch bei allen anderen Opfern fehlten sämtliche Kleidungsstücke und das Haar. Der Hinterkopf weißt eine  Beule auf, was darauf hindeutet, dass das Mädchen mit einem Schlag auf den Kopf getötet wurde. Andere Verletzungen wurden nicht gefunden. Zur Überraschung der Grasser konnten Ärzte feststellen, dass die jungen Mädchen, alle noch in der Entwicklung und überdurchschnittlich schön, nicht sexuell misshandelt worden sind. Die Polizei sucht vergeblich nach Beweisstücken und Verdächtigen. Auch über das Motiv des Gesuchten herrscht Unklarheit.
Dieses grausame Vergehen heizt das Feuer der Angst besonders an, da sich die Bevölkerung bis zu diesem Zeitpunkt im Haus aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen, zum Beispiel Gitter vor den Fenstern und Wachhunde, in Sicherheit gewogen hat. Auch die verstärkte Kontrolle der Tore und das Ausgangsverbot für alle weiblichen Personen nach Einbruch der Dunkelheit scheinen der Übeltäter nicht bremsen zu können.
Bei Manchem hat sich aus der Angst eine regelrechte Panik entwickelt, die beispielsweise dazu geführt hat, dass ein Diener nach seiner nächtlichen Rückkehr aus einer Bar von seinem Hausherrn erschossen wurde, da dieser ihn für den berüchtigten Mörder hielt.
Mittlerweile schickt die Oberschicht ihre Töchter in Internate oder zu Verwandten in entfernte Gegenden, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. 

Personenkonstellation "Das Parfum"

Sonntag, 10. Juni 2012

Tagebucheintrag der Christiane F. vor ihrem Selbstmordversuch


Liebes Tagebuch,

ich spüre, dass mein Leben nur noch an einem seidenen Faden hängt. All die schönen Träume und Spinnereien sind wie schillernde Seifenblasen zerplatzt. Illusion, nichts als Illusion- diese Erkenntnis macht mich fertig, zieht mich immer weiter nach unten. Wann reißt er, der Faden? Wie konnten wir nur so blöd sein uns einzureden, dass wir je wieder von dieser Scheißdroge wegkommen? Damit haben wir doch nur unser Gewissen beruhigt und uns selber die Erlaubnis für den nächsten Schuss gegeben. "Nur noch diesen Druck, ein einziges Mal noch" Dieser elende Satz, der unaufhörlich in meinem Körper hämmert, bis ich schließlich nachgebe. Wie viele Entzüge sind so gescheitert! Wieder keine Hoffnung mehr! Heroin- die letzten zwei Jahre habe ich nur für diesen Stoff gelebt. Er hat alles in den Schatten gestellt, was mir jemals etwas bedeutet hat: meine Familie, die Schule und die Liebe zu Detlef. Ja, ich habe gerade einen lichten Moment. Ich scheue mich nicht mehr, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken. Ich weiß genau, dass ich nur noch zwei Möglichkeiten habe und dass ich mich jetzt entscheiden muss, wie immer getrieben vom H. Wenn ich von dieser Droge nicht loskomme werde ich vielleicht noch zwei Jahre zu leben haben. Zwei schreckliche Jahre. Zwei Jahre, in denen ich zwischen dem Beton der Hochhäuser dahinvegetiere, in stinkenden Toiletten mir ein bisschen Glück unter die Haut spritze und mich dafür ekelhaften Freiern hingeben muss. Zwei Jahre, in denen das Heroin meinen Überlebenswillen und jegliche Freude unter sich begraben wird. Aber ist das nicht schon geschehen? Für wen lohnt es sich zu leben? Detlef? Nein, er steckt zu tief in der Scheiße drin, genau wie ich. Alles sinnlos. Natürlich kann ich wieder auf Entzug gehen, doch mit welcher Chance? Ich kenne mich, ich bin nicht stark genug, ich werde es nie schaffen. Selbst wenn das Wunder geschehen würde, so würde mich meine schreckliche Vergangenheit doch immer wieder einholen. Sie klebt an mir fest, ist nicht wegzukriegen. Mein ganzes Leben lang wäre ich als schmutzige Fixerin abgestempelt, eine verachtete, wertlose Person, von der Gesellschaft ausgeschlossen. Das kann und will ich mir nicht antun. Ich könnte die Schuld für diese ganze Scheiße auf meine Mutter schieben, die nie Zeit für mich hatte, auf meinen Vater, der mir durch seine Aggressionen meine glückliche Kindheit nahm oder auf diese verdammte Umgebung, in der man so leicht abrutscht. Klar, das hat mir schwer zugesetzt, aber das größte Problem, das bin ich selbst. Ich verachte und hasse mich für das, was ich gemacht habe, ich ekel mich vor mir selbst. Ich bin nur  noch der klägliche Überrest, ein Schatten der früheren Christiane, vollgepumpt mit Heroin, abhängig, ohne Kraft zum Widerstand. Langsam und elend verrecken, nein, so nicht. Ich werde mir lieber den Goldenen Schuss setzten. Hier. Jetzt. Ich verspüre keine Angst, der Tod kann nicht schlimmer sein als dieses menschenunwürdige Leben. Jetzt bin ich total ruhig. Ich denke nicht an meine Familie, nicht an schöne Tage meiner Kindheit, nicht an Detlef. Meine Gedanke kreisen um Heroin, Heroin, Heroin... . Es wird nicht wehtun, es wird genauso sein wie immer, genauso vertraut, nur, dass dieser Schuss mein letzter sein wird.

Montag, 21. Mai 2012

Dokumentationen zur Drogenszene auf 3sat

http://www.3sat.de/page/?source=/specials/themenwoche/161863/index.html

Diese Woche geht es auf 3sat um Sehnsüchte, darunter auch sehr oft um Drogen und Fixer(Heroinabhängige), die über ihr Leben und Erfahrungen berichten. Falls ihr Lust habt ein paar Dokumentationen anzuschauen, habe ich einen Link geteilt. :)

Sonntag, 13. Mai 2012

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, Tagebucheintrag.

Ein Tagebucheintrag von Christiane, nach einem gescheiteren Entzug.
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Liebes Tagebuch,

Ich werde diesmal nicht mehr gesund. Es ist alles verloren, bevor die Schlacht überhaupt beginnt. Ich werde es nicht schaffen. Ein weiterer Entzug hat nichts geholfen, ich drücke mehr als jemals zuvor. Du denkst, es wird dir nie geschehen, bis es eben doch passiert. Von dem Moment an, als der allererste Tropfen H in meine Blutbahn gelang, habe ich angefangen, mir mein eigenes Grab zu schaufeln. Hätt' ich doch niemals angefangen. Ich versuche diesen Gedanken immer wieder zu verscheuchen, doch er kommt viel zu oft wieder und erinnert mich an die beschissene Realität, dass es jetzt zu spät ist. Mein Körper schreit nach dem Stoff, ich halt' ihn stumm, ertränke ihn in Selbstmitleid, ...und setzte mir einen weiteren Druck. Meine Seele ist kalt geworden, und meine Hoffnung verblasst. Jedes mal, wenn ich ein letztes Fünkchen Hoffung sehe, wird sie sofort vom Gewicht dieser Drecksdroge zerstört. Mein Wille ist gebrochen. Wie kann man etwas bezwingen, dass man nicht töten kann? Immer wieder versuche ich nach den Fäden der Vernunft zu greifen, nur um zu sehen wie sie durch meine Hände gleiten und in der Dunkelheit verschwinden. Entzug, weiter drücken. Entzug, weiter drücken. Entzug, weiter drücken. Immer die gleiche Scheibe die auf ewig springt. Es ist die gleiche Scheiße, die auf ewig stinkt. Ich dachte ich könnte wann immer aufhören wenn ich wollte. Doch genau das kann ich nicht. Ich mache immer weiter, immer weiter. Obwohl ich schon am Abgrund stehe, zwinge ich mich weiter zu gehen. Man kann meine Situation nicht mehr beschreiben. Es ist alles nur noch ein großer Haufen wertloser Dreck. Warum passiert dieser Scheiß immer mir? Ich sinke immer tiefer. Ich bin eine tickende Zeitbombe, gefüllt mit hochexplosivem Heroin. Ich werde bald sterben. Fixer sterben allein. Fixer kämpfen für nichts, außer für H. Es würde eh niemanden jucken wenn ich blutend mit 'ner Nadel im Arm sterbe. Ich habe keine Achtung vor mir selbst und schon gar nicht vor anderen. Nur vor dem gottverdammten H, dem Schlüssel zur Selbstzerstörung, Verwüstung, Vernichtung und Erbitterung, dem Nagel in meinem Sarg. Die letzte Kerze brennt, und bald werde auch ich nur noch Asche sein. Ich will nicht mehr. Ich KANN auch nicht mehr, denn es ist nicht leicht weiter zu gehen, wenn auf deinem Weg schon viel zu viel auf der Strecke blieb. Das H hat mir alles genommen, was mir jemals wichtig war. Meine Familie, meine Freunde, meine Liebe. Ich verliere meinen Verstand und meine letzte Zuflucht ist H. Ist das nicht ironisch? Ich suche Zuflucht vor der Droge IN der Droge. Ehrlich gesagt ist mir das Scheiß egal. Inzwischen ist mir so ziemlich alles Scheiß egal. Alles was ich spüre ist Hass. Ich hasse H. Ich hasse die ganzen Junkies. Ich hasse die widerlichen Freier. Ich hasse den Bahnhof und all die Dealer die einen über den Tisch ziehen. Doch am Meisten, am aller meisten hasse ich mich selbst. Es scheint, als ob alles Gute in mir gestorben wäre. Eigentlich bin ich schon so gut wie tot. Eigentlich gibt es nichts mehr in mir, wofür es sich noch zu leben lohnt. Alles tot. Doch wiederum nicht tot genug um zu vergessen, dass ich einer von ihnen bin, ein verdammter Fixer. Ich verdiene kein "Leb Wohl.", ich verdiene ein "Wieso kannst du dich nicht einfach verpissen und sterben, du dumme, undankbare Hure!?". Ich denke wieder an einen Schuss. Diesmal an den Goldenen. Mein Armes Herz, vom H malträtiert, findet nur dort den wahren Frieden, wo es nicht mehr schlägt. Ich bin ein Wrack. Ich bin der bittere Nachgeschmack einer steilen Drogenkarriere. Ich bin die Dekadenz. Ich bin ein Fixer.
Noch ein Druck und ich vergesse dich. Noch ein Druck, ich vergesse mich. Noch ein Druck, Scheiß egal. Ein letzter Druck, ---------------------------




Geschrieben von Lea